Schätze der Welt

Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt " erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern. Und hier können Sie die Schätze auch im Internet wiederfinden.

Hallstatt - Drei Jahrtausende Salz

Dieser Film erzählt mit berückend schönen Bildern die Geschichte einer abgeschiedenen Region im österreichischen Salzkammergut. Hier in Hallstatt befindet sich das älteste Salzbergwerk der Welt. Schon zu prähistorischen Zeiten bauten Menschen in einer hochentwickelten Kultur das weiße Gold ab. Die Zeugnisse ihrer Existenz hat das Salz konserviert.

Hallstatt selber konnte wegen seiner Lage zwischen einem See und einem Berg nie sehr groß werden, aber das Salz brachte fortwährenden Wohlstand mit sich. Die Stadt liegt in einer idyllisch schönen Landschaft in den Alpen und lebt heute neben dem Salz auch vom Tourismus.
Das Bemerkenswerte dieser Region ist die Dauerhaftigkeit, mit der sich diese Kulturlandschaft seit Jahrtausenden erhält.

Buch und Regie: Ute Gebhardt
Kamera: Wolfi Beyer

  • Film anschauen "Hallstatt - DreiJahrtausende Salz" Eine Produktion des Südwestrundfunks (SWF)
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Filmtext

Wenn die Wolken am frühen Morgen tief über dem Hallstätter See hängen, darf man keine große Hoffnung haben, dass die Sonne an diesem Tag in Hallstatt scheint. Allzu oft ballen sich die Wolken an den hohen Bergen zusammen und es regnet. Beinahe jeder Morgen ist wolkenverhangen, doch die Hallstätter erleben ohnehin keinen Sonnenaufgang, weil die Berge so hoch sind. Erst am Vormittag können die Sonnenstrahlen Hallstatt erreichen. Nach Hallstatt im Salzkammergut führte noch im vergangenen Jahrhundert keine Straße. Das Klima ist rau und unwirklich, der Winter dauert sehr lange. Dennoch ist diese Gegend schon seit Jahrtausenden besiedelt. Was hält die Menschen hier fest? Ein wertvoller Schatz ist im Berg über Hallstatt verborgen.

 

Das Salz. Vor mehr als dreitausend Jahren begann der Abbau und er dauert bis heute. Es ist das älteste Salzbergwerk der Welt. Die prähistorischen Bergleute hinterließen dieses Seil aus Lindenbast im Salzberg. Auch Kienspäne und Fackeln wurden an vielen Stellen gefunden. Es ist erstaunlich, wie gut all die Spuren erhalten sind. Salz konserviert, sonst hätten wir solche Funde wie den Tragesack für Steinsalz nie zu Gesicht bekommen. Sogar die fein genähte Fellmütze hat die Zeit überdauert. Mit Spitzhacken bauten die alten Bergleute das Salz ab. Warum die Abbaufiguren aber herzförmig sind, weiß heute niemand zu deuten. Wer waren diese geheimnisvollen Bergleute der Vorzeit? Auch das Hochtal vor dem Bergwerk ist voller Spuren. Das Tal war ein Begräbnisplatz - mehr als vierhundert Jahre lang. Was hier gefunden wurde, gab einer ganzen Epoche der Vorgeschichte den Namen: Der Hallstatt-Kultur. Es ist der Beginn der Eisenzeit. Rund zweitausend Gräber sind hier schon geöffnet worden, viele werden noch vermutet. Das muss das Grab einer Frau sein. Es ist ein reiches Grab - wie alle Hallstätter Gräber. Bereits in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts entdeckte ein Hallstätter Bergmeister die ersten Gräber. Der Mann war kein Archäologe, doch er dokumentierte seine Funde sehr genau. So ist das Wissen über die Ausgrabungen vollständig, auch wenn so mancher Fund verschwand. Die Grabbeigaben erzählen von einem hochkultivierten Volk. Sie besaßen schöne Gefäße, feinen Schmuck und gute Waffen.

Das Salz hatte sie zu reichen Leuten gemacht. Sie besaßen Gold und kannten bereits Glas. Sie trieben Handel von Afrika bis zur Ostsee: Der Schwertknauf besteht aus Elfenbein und Bernstein.
Und sie wussten ihren Reichtum zu schützen.
Viele Geheimnisse hat der Wald im Hochtal preisgegeben - aber noch mehr für sich behalten. Sie waren die Vorfahren der Kelten, doch woher waren sie gekommen? Warum verschwanden sie um 500 vor Christi Geburt? So vieles ist ungewiss. Ihre Siedlung wurde nie gefunden. Der Ort Hallstatt am Fuße des Salzbergs war gewiss nicht ihr Wohnort. Die Tausend-Seelen-Gemeinde entstand im Mittelalter, als der Bergbau und der Salzhandel wieder zu blühen begannen. Bergmann ist in Hallstatt noch heute ein angesehener Beruf. Seit fünfhundert Jahren lebte jede Familie in irgendeiner Form vom Salz. Hallstatt wurde recht wohlhabend - nur wachsen konnte der Ort nicht, weil zwischen See und Salzberg einfach nicht mehr Platz war. So sehen die Hallstätter Häuser aus wie übereinandergestapelt. Selbst der Hallstätter Friedhof ist schon lange zu klein. Seit Jahrhunderten endet die Totenruhe nach etwa zehn Jahren. Dann werden die Gebeine ausgegraben, die Knochen gebleicht und die Schädel bemalt. Generationen von Hallstätter Familien liegen im Beinhaus. In Hallstatt gelten Traditionen viel. Noch immer folgt der ganze Ort, wenn die Fronleichnamsprozession durch die Gassen zieht. Selbst die religiösen Bräuche haben mit dem Salz zu tun: Unterwegs segnet der Pfarrer den Salzberg und die heilige Barbara, die Schutzheilige der Bergleute.

     

Die Spuren des Bergbaus durchziehen die gesamte Landschaft. Der Bergbach in der engen Schlucht wurde genutzt, um das Holz aus dem Gebirge ins Tal zu bringen. Es ist ein uraltes Prinzip, das Klause genannt wird. Der Bergbach wird einige Stunden hinter der Klause aufgestaut. Dann wird sie aufgeschlagen. Ein gewaltiger Strom stürzt nun ins Tal und reißt die Holzstämme, die im Flussbett liegen, mit sich. Der Salzbergbau verschlang riesige Mengen Holz. Jahrhundertelang war es ein gefährliches Abenteuer, das Holz im Gebirge zu transportieren.

Auch die Menschen in den Tälern rings um Hallstatt lebten vom Salzbergbau. Im Gosautal waren die Holzknechte zu Hause. Ihre Häuser sind oft mehr als dreihundert Jahre alt. Nebenbei betrieben die Holzknechte kleine Landwirtschaften. Doch damit konnten all die Bergleute niemals ernährt werden. Immer schaffte man Nahrungsmittel von außerhalb herbei, nur vom lebenswichtigen Salz gab es stets genug. Während die prähistorischen Bergleute Steinsalz zu Tage förderten, laugten die neuzeitlichen das Salz als Sole aus dem Berg. Aus der Sole wurde in den Hallstätter Sudhäusern das Salz gesiedet. Die Feuer der Sudhäuser fraßen das Holz aus dem Gebirge allmählich auf. Als die Sudhäuser Anfang des 17. Jahrhunderts deshalb stillgelegt werden mussten, bauten die Bergmeister eine Soleleitung aus siebentausend Holzröhren. Es ist die älteste Pipeline der Welt. Sie führt über vierzig Kilometer hinunter ins Tal, wo es genug Holz gab. Noch heute steht dort die Saline, in der die Hallstätter Sole zu Salz wird. Es ist heute kaum mehr zu verstehen, was Salz einst bedeutet hat. Jahrtausendelang war es das wichtigste Konservierungsmittel. Ohne konservierte Nahrung wären wir womöglich noch immer Jäger und Sammler. Salz ist deshalb ein Kulturstifter ersten Ranges. Nicht umsonst wurde es mit Gold aufgewogen.

Doch wie gelangte das Salz eigentlich in den Berg? Das Salz in den Alpen stammt aus dem Meer, das Europa einst bedeckte. Als die Hebung der Alpen begann, entstanden Binnenmeere. Diese verdunsteten und das Salz lagerte sich ab. Die Alpen hoben sich weiter und falteten sich auf: Das Salz wurde nun im Berg zusammengedrückt. Die Höhlen im Dachsteingebirge sind Risse und Klüfte im Gestein, die das Wasser vertieft hat. Die Dachstein-Eishöhle hoch über Hallstatt bietet ein nie endendes Schauspiel: Gletscherwasser tropft durch das Gestein in die kalte Höhle, gefriert und taut und lässt immer neue Gebilde entstehen. Die Figuren sind bis zu zwanzig Meter hoch. Die Eishöhle ist bei weitem nicht die einzige Dachsteinhöhle. Der Berg besitzt verzweigte Labyrinthe, von denen bisher nur ein Bruchteil erforscht worden ist.

 

Mehr als tausend Meter über den Höhlen: Der Gipfel des Gebirges über Hallstatt: Der Dachstein. Er ist der schönste und höchste Berg in diesem Teil der Alpen, der König der Region.
Fünfhundert Meter tiefer fällt der Gosaukamm steil ab ins Gosautal. Die Schönheit dieser Landschaft wurde spät entdeckt. Im 19. Jahrhundert begannen Topographen, die Alpen zu vermessen und zu zeichnen. Ihnen folgten die Landschaftsmaler. Ein neues Genre der Malerei entstand - die Alpenbilder. So wurden die Landschaften berühmt und lockten nun die ersten Bergsteiger und Sommerfrischler an. Der Tourismus war erfunden und ernährt heute die Menschen neben dem Salzbergbau. Bis vor hundert Jahren war diese kleine Hallstätter Welt von der großen Welt fast gänzlich abgeschnitten. Das Salzkammergut war eine Wirtschaftsregion mit eigenen strengen Gesetzen, ein Staat im Staate. Niemand kam hierher, es sei denn, er hatte mit dem Salzhandel zu tun.

Es scheint wie ein Wunder, dass in dieser abgeschiedenen Region schon vor dreitausend Jahren eine prähistorische Kultur zur Blüte gelangte.

Der Mensch hat der Natur abgerungen war er braucht: Das Salz, das Holz, das Wasser. Das sensible Gleichgewicht von Mensch und Natur war hier oft gefährdet und doch nie zerstört. Vielleicht ist das das wirkliche Wunder von Hallstatt.

Filmmusik

  • Kraft, Oliver | Schätze der Welt II
  • Essl, Karlheiz | Intervention für 4 räumliche verteilte Orchester Radio Symphonie Orchester Wien
  • Webern, Anton | German Dances | Berliner Philharmoniker
  • Webern, Anton | Five Movements for String Quartet op. 5 | Emerson String Quartet
  • Gruber, Karl Heinz | Concerto für Orchester op. 3 | Radio Symphonie Orchester Wien
  • Webern, Anton | "Im Sommeridyll", Idyll for large Orchestra | Berliner Philharmoniker
  • Schwertsik, Kurt | Tag- und Nachtweisen (Das Nashorn) | Radio Symphonie Orchester Wien