Heilbronner Tragödie

Heilbronner Dachstein-Tragödie 1954

Zu Ostern 2004 jährte sich zum 50. Mal das tragische Ereignis um die zehn Schüler und drei Lehrer, die in einem Schneesturm am Dachsteinmassiv ums Leben kamen.

Obertraun/Krippenstein; Es war der Gründonnerstag des Jahres 1954, als drei Lehrer und zehn Schüler aus der deutschen Stadt Heilbronn eine Tour ins Dachsteinmassiv von Obertraun aus unternehmen wollten. Bereits bei ihrem Abmarsch von der Bundessportschule Obertraun wurde die Gruppe und ihre Lehrer vom damaligen Leiter Bols gewarnt. Doch auch nach zweistündigem Marsch auf die Schönbergalm, vom Regen und einsetzendem Schneefall bereits völlig durchnässt, marschierte die Gruppe weiter. Unterwegs wurden sich noch von Männern, die gerade beim Bau der 2. Seilbahnsektion auf den Krippenstein waren, gesehen und vom Weitermarsch abgeraten.

Das sich daraus die größte Suchaktionen der alpinen Geschichte mit über 400 Bergrettern, Alpingendarmen und freiwilligen Helfern entwickeln sollte, war an diesem Tage keinem bewusst. Leider waren aber alle Bemühungen und Strapazen vergebens - nach neun Tagen fand man die ersten Opfer, erst 43 Tage nach Beginn der Suchaktion die letzten beiden Opfer!

Bilder von der Wanderung zum Heilbronner Kreuz

Am Osterwochende 2004 hielt Obertraun im Gedenken an Ostern 1954 und an die verunglückten 10 Schüler und 3 Lehrer nach fünf Jahrzehnten nochmals inne. Zahlreiche Einheimische, viele Zeitzeugen aus ganz Österreich, Abordnungen der Alpingendarmerie und der Bergrettung aus Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark sowie eine Mitschüler-Delegation aus Heilbronn folgten der Einladung in die UNESCO-Weltkulturerbe-Region. Sowohl der Präsentation des Buches „Das Heilbronner Dachsteinunglück 1954" als auch der „Gedenkfeier und kirchlichen Andacht" auf dem Krippenstein wohnten jeweils mehrere hundert Gäste bei.

Am Karfreitag-Abend wurde im Bundessport- und Freizeitzentrum Obertraun das anlässlich des „50-Jahre-Gedenkens" vom Stadtarchiv Heilbronn herausgegebene Buch, eine deutsch-österreichische Co-Produktion, der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach den Begrüßungsworten durch Bürgermeister Egon Höll (Obertraun) und Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach (Heilbronn) lasen die Autoren auszugsweise aus der mit zahlreichen Fakten, ausführlicher Chronologie, Hintergründen, Reaktionen und Fotos zusammengestellten Dokumentation. Die Autoren des Buches nähern sich dem Unglück von verschiedenen Positionen. Dr. Christhard Schrenk, Leiter des Stadtarchivs in Heilbronn, beruft sich auf die detaillierte Aktenlage. Der im Ennstal lebende Autor Peter Gruber schildert die emotionale Perspektive aus Österreich. Zeitzeuge Siegfried Schilling erzählt aus dem Notizbuch eines Mitschülers. Christoph Zöpfl eröffnet einen spannenden Blick in die Medien-Berichterstattung von damals. Eindrucksvolle Bilder vermittelte Obertrauns Vizebürgermeister Stephan Höll mit seiner Diaschau „Die Bergrettung Obertraun". Martin Bankhammer führte durch das Abend-Programm, Johann Unterberger begleitete die Buchpräsentation auf der Zither.

Am Karsamstag Nachmittag fand bei der Heilbronner Kapelle am Krippenstein (2100m) die offizielle Gedenkfeier statt, zu der Bürgermeister Egon Höll neben den Abordnungen der Alpingendarmerie und der Bergrettung eine Reihe hochrangiger Gäste begrüßen konnte. Oberösterreichs Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach gedachten in ihren Ansprachen der dreizehn jungen Opfer, der dramatischen Ereignisse von damals und erinnerten an die Dimension der Suchaktion, würdigten die verbliebenen Stätten der Erinnerung, ebenso die Werte der Bergnatur, mahnten zugleich aber auch an die Demut vor Natur und Dachstein.

Erich Grau, Sprecher der Mitschüler-Delegation aus Heilbronn, verlas mit bewegtem Tonfall die Namen der verunglückten Mitschüler und Lehrer. Die kirchliche Andacht stand im Zeichen der Ökumene und der österlichen Symbolik um Auferstehung und Versöhnung. Für die dreizehn Opfer von 1954 wurden Kerzen entzündet, als symbolischer Akt auch zwei Kerzenlichter für die im Laufe des heurigen Winters am Krippenstein verunglückten Jugendlichen. Dutzende Zeitzeugen ließen mit ernsten Mienen ihre Blicke über das Dachstein-Plateau schweifen und wohl ewig unvergessliche Erinnerungen aufkommen. Die Weisen der Ortsmusikkapelle Obertraun und die Stimmen der mit dem Dachstein untrennbar verbundenen Steiner-Sänger boten einen Rahmen von besonders würdevoller Atmosphäre.

Anschließend legten Vertreter der Bergrettung und der Dachstein Tourismus AG einen Kranz beim Heilbronner Kreuz nieder. Der Dachstein selbst hielt während der Gedenkfeier auf dem Krippenstein seine majestätischen Gipfel verborgen, bot der Feier jedoch eine stimmungsvolle Kulisse aus Schnee, Sonne und Wolken. Die als Abschluss geplanten Bergfeuer auf den umliegenden Berggipfeln ließ das Wetter nicht mehr zu, was jedoch die vielfachen Erinnerungen an 1954 und die Gefühle um die Gedenkmomente um nichts geringer wirken ließ.

Heute schwebt man mühelos mit der Dachstein-Krippensteinbahn in drei Teilstrecken auf den Krippenstein auf 2.100 m Seehöhe bzw. zur Gjaidalm. Zur Erinnerung an die Dachsteintragödie 1954 wurde ein Holzkreuz - das Heilbronner Kreuz - am Wanderweg vom Krippenstein zur Gjaidalm errichtet. Am Krippenstein selbst wurde ein Kirchlein (Foto) gebaut, in der eine Glocke aus der Stadt Heilbronn aufgezogen wurde - den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung!

Buchtipp

Das Heilbronner Dachsteinunglück 1954" (Christhard Schrenk / Peter Gruber / Siegfried Schilling / Christoph Zöpfl), ISBN 3-928990-87-X, 202 Seiten, Format 20x21cm, Preis € 19,50, Herausgeber: Stadtarchiv Heilbronn, Österreich-Vertrieb: „Edition Geschichte der Heimat" (im Buchhandel erhältlich).

 

Nach Oben