Von Gletschertöpfen und Eiszeit

Von Gletscherbächen und Strudellöchern

Es wäre nun nahe liegen zu vermuten, dass die im Dürrenbachbett aufgefundenen Kessel und Ausformungen vom Wasser des Baches geformt wurden. Ähnliche Erscheinungen sind aus vielen Gebirgsbächen als „Bachkolke" bekannt. Mehrere Argumente sprechen jedoch gegen diese Vermutung: - Der Dürrenbach führt nur selten Wasser

  • Die Gletschertöpfe waren mit Bachschotter und Geröll aufgefüllt, darunter befanden sich auch schwere, Glattgescheuerte Blöcke (Findlinge).
  • Auch außerhalb des Bachbettes konnten unter der Vegetationsdecke Gletschertöpfe nachgewiesen werden.

Bereits im vorigen Jahrhundert versuchte man solche Ausformungen in Gesteinen zu erklären und erkannte den Zusammenhang mit Gletschern bzw. Gletscherbächen, weil auch dort solche Strudellöcher vorkamen. Die Auffindung von kugelförmigen Steinen und die Beobachtung bewegter „Mahlsteine" in aktiven Gerinnen führten zur Theorie von den „Gletschermühlen". Man glaubte, diese mahlenden Steine wären alleine für die Bildung der Gletschertöpfe verantwortlich. Eine größere Ansammlung von „Gletschermühlen" nannte man Gletschergarten.

Die moderne Gletscherforschung brachte eine Füll neuer Erkenntnisse und damit auch ein nicht ganz so einfaches Bild von der Entstehung der Gletschertöpfe.

Warme Luft, Sonneneinstrahlung und die Druckwärme mächtiger Gletscher führen zu Schmelzvorgängen an Gletschern. Dabei werden oft riesige Wassermassen frei, die entlang von Rissen und Spalten im Eis in die Tiefe stürzen und am Grund des Gletschers Richtung Gletschertor fließen. Die unterirdischen Gletscherflüsse können sehr hohen Druck und bei Engstellen auch eine sehr große Fließgeschwindigkeit erreichen. Das kalte und stark durchbewegte Gletscherwasser ist in der Lage, einen hohen Anteil an feinen Gesteinsteilchen mitzuführen („Gletschermilch"). Großer Druck, hohe Fließgeschwindigkeit und hoher Feststoffanteil des Wassers sind die Voraussetzungen für die enorme Erosionsfähigkeit des Gletscherwassers, welche die abtragende Wirkung eines Bachwassers bei weitem übertrifft. die Gesteinspartikel haben dabei einen ähnlichen Effekt wie die Körner eines Sandstrahlgebläses. Von Triebwasserstollen im Hochgebirge ist die Bildung metertiefer Strudellöcher in nur wenigen Jahren bekannt.

An Gletschertöpfen können die unterschiedlichsten Hohlraumformen beobachtet werden. Kleinste Unebenheiten der Gesteinsoberfläche führen zu Wirbelbildungen und zu verstärkter Erosion an solchen Stellen. Unterschiedliche Gesteinshärte und auch die Lage der Gesteinsschichten sind für den Formenreichtum verantwortlich. Grobe und schwere Gerölle werden im Strudelloch als „Mahlsteine" aufgearbeitet, kleine Steine reißt der aufsteigende Wasserstrahl mit und schwemmt sie weiter. Die Bildung von Gletschertöpfen ist unter den angeführten Bedingungen nach relativ kurzer Zeit (einigen Jahren) abgeschlossen, wenn durch die veränderten hydraulischen Verhältnisse, die gebildeten Hohlraumformen, die anderen Fließwege, die Verfüllung mit Blockmaterial usw., die Voraussetzungen für eine weitere Entwicklung nicht mehr gegeben sind.

Gletscher sind lebende Gebilde, deren lokale Verhältnisse durch Eisbewegung, Spaltenbildung, mitgeführtes Gesteinsmaterial usw. dauernden Veränderungen unterworfen sind. Durchmesser, Tiefe und Form der Gletschertöpfe werden sicherlich weitgehend von Wassermenge, Druck, Fließgeschwindigkeit, Feststoffanteil im Gletscherwasser und den lokalen Gesteinsverhältnissen bestimmt.

Gletschertöpfe wurden freigelegt

Gletschertöpfe können im Echerntal auch an anderen Stellen nachgewiesen werden. Bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts wurden im Bachbett des Waldbaches bei der „Kuhbrücke" mit Bachschotter verfüllte Hohlräume entdeckt und richtig gedeutet. Die Gletschertöpfe wurden freigelegt und eine Hinweistafel am Ort angebracht. Leider verfüllten sich die schönen Kessel bald wieder, was übrigens auch darauf hinweist, dass diese nicht durch die alleinige Erosion des Bachwassers entstanden sein können. Eine neuerliche Freilegung dieser Gletschertöpfe erfolgte im Herbst 1991 durch den Musealverein zum Zweck einer fotografischen Dokumentation. Bereits zu Weihnachten desselben Jahres führte ein Hochwasser zu einer fast vollständigen Wiederauffüllung mit Bachgeschiebe.
Der wohl bekannteste Gletschergarten Europas befindet sich direkt im Stadtgebiet von Luzern/Schweiz. In einem angeschlossenen Museum wird in hervorragender und auch wissenschaftlich fundierter Weise die Entstehung dieser steinernen Zeugen der Eiszeit erklärt.