Der Hallstätter

Der Hallstätter

Wovon er lebt und was er liebt

"Kommt her!" sagt der Großvater zu seinem Enkelsohn und griff nach dem Ruder. "Das muss dir schon ich zeigen, denn dein Vater, der Gosinger, der lernt dir das ja nie!".

Der Vater, der Gosinger, ist ein Gosauer, der vor vielen Jahren eine Hallstätterin geheiratet hat und seit ebenso vielen Jahren in Hallstatt lebt. Die Technik des Ruderns mit der Plätte beherrscht er genauso perfekt wie jeder Hallstätter. Vielleicht gibt es feine Unterschiede im Fahrstil, in der Eleganz der Ruderhaltung oder Steuerung. So einfach ist es nicht, mit einem solchen Gefährt über den See zu schaukeln, denn eine Plätte hat ja nur ein Ruder, und ein Ungeübter fährt deshalb meist im Kreis. In Hallstatt sagt man zur Plätte übrigens "Fuhr". Diese sieht aus wie eine Gondel. Ja, es sind eigene Menschen diese Hallstätter, mit eigenen Bezeichnungen für das, was ihr Leben bestimmt, mit eigener Lebensart. Keineswegs sind sie hinterwäldlerisch, wie man vermuten könnte, wenn man erfährt, dass diese Gegend jahrhundertelang schwer erreichbar war.

Salz: Das bestimmende Element der Hallstätter

Weltoffen waren in Hallstatt schon die Ureinwohner, die oben auf dem Salzberg eine europäische Kultur begründeten und Handel mit halb Europa trieben. Salzproduktion und Salztransport verband sie auch später mit der Welt, die schließlich, als der Fremdenverkehr entdeckt wurde, zu ihnen kam. Heimatliebe und Weltoffenheit sind keine Gegensätze in Hallstatt.

Es war nie leicht ein Hallstäter zu sein - und leicht ist das auch heute nicht. Die Salinen Austria wurden privatisiert und ihr Personalbestand in den letzten Jahren stark reduziert.

Die Hallstätter Sudhütte wurde bereits 1965 geschlossen. Die Arbeitsmöglichkeiten sind geschrumpft. Von ein paar Monaten Fremdenverkehr ist es schwer, das ganze Jahr zu leben. Deshalb suchen viele Hallstätter außerhalb ihres Heimatortes Arbeit, was durch die Mobilität mit dem Auto heute weitaus einfacher ist. Aber viele von ihnen kehren nicht mehr heim, oder doch nur zu den sprichwörtlichen heiligen Zeiten. Die Einwohnerzahl ist gesunken.

Die Tradition ist unterbrochen

Die Tradition, nach der der Sohn dem Beruf des Vaters folgte, ist unterbrochen. Jahrhundertelang war das üblich in Hallstatt, meist war es sogar durch Generationen hindurch der gleiche Dienstzweig. Die Söhne der Bergknappen folgten ihren Vorfahren in der Berufswahl nach. Nicht anders war es bei den Pfannknechten, Eisenhauern und Schmieden. Und natürlich mit den Salzfertigern, den vornehmen und reichen Salzherren, die in der Geschichte Hallstatt über ein halbes Jahrtausend eine wesentliche Rolle spielten. Für die Kirche haben sie zahlreiche Kunstwerke gespendet.

Sesselträger und Bergführer

Der aufkommende Fremdenverkehr brachte zwar neue Arbeitsmöglichkeiten, doch entstanden sehr menschenunwürdige Berufe. Da gab es zum Beispiel den sogar in der k.k. Bezirkshauptmannschaft Gmunden als "concessioniertes Gewerbe" registrierten Beruf des Sesselträgers. Zum Rudolfsturm, zur Gosaumühle, sogar bis zur Simonyhütte ließen sich die Aristokraten tragen. Besser als die Sesselträger waren da die Bergführer dran, obwohl sie ebenfalls zu Herrschaftsdiensten degradiert wurden. Die Sesselträger von heute sind die Seilbahnen.

Die einstigen Hauptberufe des Hallstätters - Bergmann, Holzfäller und Fischer - leben in einem Denkmal fort. Ein Denkmal für das, was der Hallstätter in seiner Freizeit liebt, ist nicht erforderlich. Aber die Zeiten haben sich geändert. Aktiv-Sportarten und die Medienpräsenz haben auch das Leben der Hallstätter verändert. Der Geselligkeit hat das wenig anhaben können. Noch immer treffen sich die Hallstätter in ihren Stammwirtshäusern zu einem Gespräch, doch die Themen haben sich verlagert. Politik und Weltgeschehen rücken in den Vordergrund. Gespräche aus längst vergangenen Tagen über Berg-, Jagd- und Wilderer-Erlebnissen nehmen zusehends ab.

Immer noch gibt es aber genug Hallstätter, die mit Begeisterung in der Salinenmusikkapelle mitspielen, statt sich Musik aus der Konserve anzuhören. Und noch immer lieben die Hallstätter ihre Berge, ihren See, ihre Wälder. An freien Tagen gehen sie in den "Holzwald", um das ihnen seit Generationen zustehende Servitut auszunützen, an langen Winterabenden tischlern, drechseln oder schnitzen sie.

Leicht war dieses Leben nie. Und leicht ist es auch heute nicht, in dieser zwar mit Schönheit, aber mit wenigen Reichtümern ausgestatteten Landschaft zu leben. Aber das hat die Hallstätter niemals entmutigt. Sie sind es gewohnt, sich selbst zu behaupten. Im Kampf ums Dasein, der hier immer um einige Grade härter war als anderswo, ist dieser Menschenschlag entstanden: eigenständig und doch anpassungsfähig, selbstbewusst und doch bescheiden, heimatverbunden und doch weltoffen. Aber was soll der untaugliche Versuch, die Hallstätter zu charakterisieren? Dazu ein Hinweis: Dass die Gäste immer wieder kommen, kann schließlich nicht nur mit der Geschichte, der Landschaft und der Kunst erklärt werden, es muss wohl auch an den Hallstättern liegen.

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